Startseite
Frisch in Arbeit
Die taz-Kolumne
Blätterwald
Weltweit
Fundstück
Buch & Beifall
Post

Mehr unter Frisch in Arbeit.
Rezensionen unter Buch & Beifall - Gut gefunden
Frisch in Arbeit

Auf dieser Seite erfahren Sie hin und wieder, wo ich mich derzeit herumtreibe, woran ich arbeite und welche Projekte ich gerade angehe.

XTE - JÜNGSTE TEXTE-JÜNGSTE TEXTE-JÜNGSTE TEXTE-JÜNGSTE TEXTE-
– haida gwaii, das galapagos des nordens – reiseleiter werden - wandern auf samos – south west coast path - emden, ostfriesland - kabeljau auf den lofoten - neues aus lissabon – in kasachstan – giacometti im bergell – baffin island: arktische kreuzfahrt - über den pfad der leuchttürme an der costa da morte - seoul kulinarisch– henyeo, die muscheltaucherinnen von jeju - ich bin nie mehr weg: reisen im digitalen zeitalter –

MONATSRUNDSCHLAG
7/17 – Eine phantastische Reise nach Kanada, Haida Gwaii. Auf den ehemaligen Quenn-Charlotte-Inseln rotten in verlassenen Dörfern 100-jährige Totempfähle vor sich hin, Orcas und Buckelwale sind in den Gewässern unterwegs und die Weißkopfseeadler sitzen manchmal im halben Dutzend in den Bäumen. Das alles durfte ich erfahren an Bord der Maple Leaf, die gerade mal sieben Passagiere fasst, mich und die fünf Frauen und Männer der Besatzung. Das Wetter dort ist unvorhersehbar, deshalb wird das Tagesprogramm jeden Morgen neu festgelegt. Ausflüge mit dem Zodiac in die Gezeitenzone gehören dazu, ein paar Stunden unter vollen Segeln, der Besuch bei Götz Hanisch aus Deutschland, der seit 35 Jahren am Rand der Welt ausharrt und im Gewächshaus Feigen, Mandarinen und Pfirsiche zieht. Und immer wieder Landungen in ehemaligen Dörfern, Gespräche mit den Watchmen, die nach dem Rechten sehen, ein Einblick in eine Kultur, die Tausende von Jahren alt ist.- Davor Nordzypern: Vier Menschen wollen Reiseleiter werden und machen eine Praxisreise, in der sie anwenden, was sie zuvor in einem Seminar gelernt haben. Ist gar nicht so einfach, stellen sie fest: Die Gruppe im Auge zu behalten, Informationen farbig rüberzubringen, Zeitpläne einzuhalten und sich dann noch kleine Besonderheiten ausdenken, die die Gäste fröhlich stimmen. Aber sie haben sich redlich bemüht. Und einige haben es richtig gut gemacht.
Am 8. Juli bringt der Deutschlandfunk im Sonntagsspaziergang (11.30) mein Feature über Baffin Island und die Arktis, am 25. Juni wurde mein Beitrag über das kulinarische Irland gesendet:
http://www.deutschlandfunk.de/sonntagsspaziergang.1241.de.html

6/17 – Zwei sehr schöne, neue Wanderziele habe ich kennengelernt: Cornwall/Devon an der Südwestküste Englands. Und Samos. Der South West Coast Path führt um die ganze Halbinsel herum, ich habe den Abschnitt der „Coast of Legends“ kennengelernt, und Geschichten fanden sich tatsächlich reichlich. Am besten gefiel mir die des Reverend Hawker, der sich aus Treibholz eine Hütte baute (ist noch erhalten), ein Opiumpfeifchen schmauchte und dabei u.a. die inoffizielle Hymne Cornwalls schrieb. Dazu kamen König Artus, das kleine Volk, Rosamunde Pilcher, das Dorf Clovelly, das in Gänze einem Herrn Johnny Rous gehört – es gibt wahrlich viel zu erzählen. Das Wetter dazu war ausgezeichnet, der Weg schön, aber manchmal anstrengend, die Gesellschaft (Fotograf Markus und taz-Redakteurin Edith) erfreulich und das Essen verbesserungswürdig. – In Samos dagegen gab es Sternwanderungen von zwei Hotels aus. Die Insel ist grün, trotz verheerender Brände im Jahr 2000, immer wieder trifft man auf ein Kirchlein oder Kloster, und wenn man Glück hat, wie unsere Wandergruppe, holt in irgendeinem Dorf eine Frau die Ouzo-Flasche aus dem Haus, weil sie meint, das sei gut für den Kreislauf von Wanderern. Das (oft zu Recht) viel geschmähte griechische Essen dagegen war, wegen kluger Tavernenwahl der Reiseleitung, durchaus ein Vergnügen. Kein Wunder, dass bald eine gewisse „Griechisierung“ der Gruppe einsetzte: Gelassenheit kehrte ein. Mehr Wein wurde nachgeordert, die Abmarschzeiten schoben sich nach hinten, man wollte noch sitzenbleiben, miteinander reden, die Zeit ihren Gang gehen lassen und ein wenig in den Nachmittag hineinleben.

5/17 – Emden, der westlichste Seehafen Deutschlands. Henri Nannens Kunsthalle kennt man, und Schiffe und Hafenleben hatten wir erwartet. Aber plötzlich war dann da viel mehr: Wir erfuhren von den großen Zeiten der Heringsfischerei, sprachen im Maritimen Museum der „Freunde der Seefahrt“ mit einem ehemaligen Schiffskoch und kletterten hoch zum Glockenspiel auf dem Rathaus, das ein Privatmann der Stadt gespendet hatte. Die Johannes a Lasco Bibliothek erwies sich als perfekte Synthese aus Kirchenruine und moderner Architektur und schließlich rief unsere Stadtführerin sogar eine Kollegin an, die uns das noch geschlossene Bunkermuseum zeigte – wiederum eine private Initiative. Am Ende besuchten wir natürlich auch die Kunsthalle, waren begeistert von Franz Radziwil und Asger Jorn – und aus der kleinen wurde dann doch eine richtig umfassende Geschichte.

4/17 – Internationale Tourismus Börse Berlin: Neben den üblichen netten Begegnungen gab es diesmal ein kleines, persönliches Highlight: Ich erhielt den Star Award, den Journalistenpreis des Spanischen Fremdenverkehramts für die beste Reisereportage in regionalen Medien, für meinen Bericht über Miguel Cervantes und die Mancha in der Augsburger Allgemeinen. Und es ging nicht nur um die Ehre: Ein Flug nach und ein dreitägiger Aufenthalt in Sevilla sind damit verbunden. – Gleich anschließend gings zu einem meiner Lieblingsziele: Die Lofoten. Dort dreht sich in diesen Wochen alles um den Kabeljau. Beim Angeln, in der Fischfabrik, bei der Köchin, auf den Stellagen für Trockenfisch und im Fischerheim fand ich reichlich Stoff für meine Reportage. Leider frischte der Wind am letzten Tag ziemlich auf, so dass nichts aus meinem Vorhaben wurde, mit einem Fischer hinauszufahren. Stattdessen lernte ich morgens um sechs an der Mole von Henningsvaer Holger Pedersen kennen, den Chef des Fischereiverbands, der auch im Hafen blieb und mit mir sehr offen und kompetent über die Fischerei und ihre Hintergründe sprach, während er Kabeljau filetierte.

3/17 – Im Februar ließ ich es etwas bedächtiger angehen. In Spanien begleitete ich eine Busreisegruppe aus Freiburg eine Woche lang von Valencia nach Malaga. Eine sehr angenehme Woche mit einer sehr ausgeglichenen Gruppe. In Valencia bestaunten wir die Angeberarchitektur des Santiago Calatrava, im Naturschutzgebiet Cabo de Gata veranstalteten wir ein Picknick zwischen verwetterten Agaven. Abends tranken wir unseren Verdejo in der Bar, in der einst schon Lee van Cleef seine Gegner aus grimmigen Augenschlitzen niedergestarrt hatte – rund 300 Western wurden hier und in der nahen Sierra Tabernas in den 1960er-Jahren gedreht. Höhepunkt sollte die Wanderung über den Camino del Rey werden. Fast pünktlich kamen wir an – nur um zu erfahren, dass eine Stunde zuvor der Weg wegen Sturms und Steinschlags gesperrt worden war.
Am 26. brachte der Deutschlandfunk meinen Beitrag über den Karneval auf Teneriffa:
http://www.deutschlandfunk.de/sonntagsspaziergang.1241.de.html

2/17 – Ich war drin – dank einer Presseinladung für die Rhein-Neckar-Zeitung. Die Rede ist von der Elbphilharmonie (die jemals „Elphi“ zu nennen ich mich strikt weigere). Und es spielten: die „Einstürzenden Neubauten“. Großartige Kakophonie, um es auf den Punkt zu bringen. Es stampft und wispert, gellt und ächzt, ein Cello sägt Zickzacklinien in die Gehörgänge. Äxte spalten Eisen, aus einer Kippschaufel klirren Metallstücke zu Boden und ein durchgeknallter Muezzin jagt Schreie des Grauens in den Himmel, von wo ein überdimensionierter Duschkopf, dessen Name und Funktion „Schallreflektor“ ist, sie im Saal verteilt. Eine Orgie der Zerstörung des Gefälligen. Genau das Richtige also, um die Qualitäten der Halle jenseits von Mahler und Mozart auszutesten. Und sie sind enorm. Natürlich durften wir dann auch all die technischen Feinheiten bewundern (10 000 Akustikplatten, jede einzeln gefräst), den großartigen Ausblick von der Plaza auf die Stadt bewundern (bewundernswert) und den ganzen schimmernden Klotz einmal per Boot fast umrunden (schon sehr groß). Zum guten Schluss gabs dann ein Bachsches Orgelkonzert – im Michel.

Der Deutschlandfunk hat am 22.1. „Guatemala – die geheimnisvolle Welt der Maya“ gesendet. Zum Nachhören:
http://www.deutschlandfunk.de/sonntagsspaziergang.1241.de.html

1/17 – Lissabon, die alte Liebe. Fado, Tram 28 und die Vanilletörtchen von Belém – alles ist noch an seinem Platz. Aber es gibt immer wieder Neues. Direkt am Praca de Comércio hat eine Multimedia-Ausstellung über die Geschichte der Stadt aufgemacht, ein bisschen geschönt, weil ohne Sklaverei und Kolonien. Durch das unterirdische Aquaedukt kann man mittlerweile einen Kilometer lang laufen und im Museum des Geldes, das in eine alte Kirche eingebaut wurde, einen 13 Kilo schweren Goldbarren anfassen. MAT, das neue Museum für Kunst, Architektur und Technik, liegt direkt am Tejo wie eine flache, weiße Austernschale. Und im umgebauten Mercado de Ribeiro servieren an über 30 Ständen Spitzenköche Bäckchen vom Schwarzen Schwein mit Süßkartoffelpüree, Entenkroketten an Orange, getrüffeltes 64-Grad-Ei... Die hohen Tische sind dicht umlagert, die Qualität des Stockfischs mit Olivenstaub oder der knusprigen Schweineschwarte samt hausgemachten Pickles wird heiß diskutiert, dieser Markt ist so recht ein Ort, bei einem Glas trockenen Weißweins aus Setúbal mit sich und der Welt ins Reine zu kommen.

12/16 – Wer in Kasachstan unterwegs ist, reist zwischen den Epochen hin und her: Sowjetische Architektur in Almaty – und davor der neueste Ferrari. Verrostete Schiffe in der Steppe, die vor 50 Jahren genau hier, im fast ausgetrockneten Aralsee, unterwegs waren – und neue Hoffnung für den kleinen Rest des Sees, dem ein Staudamm Wasser und Fische zurückbringt. Überreste von Mauern, die einst von Dschingis Khan belagert wurden – und daran vorbei fährt der Talgo, ein spanischer Luxuszug aus den 1970er-Jahren, den Kasachstan aufgekauft hat. Ganz Gegenwart war dann der Start einer bemannten Sojus-Rakete im Kosmodrom Baikonur, wo die Nacht Punkt 2.20 Uhr in einem Ausbruch von Feuer und Donner und Wucht explodierte – faszinierend und beängstigend zugleich. Und die Zukunft: Die bereiten sie gerade in der Hauptstadt Astana vor: Expo 2017. Thema „Energien der Zukunft“.

„400 Jahre Cervantes“ lief im Deutschlandfunk: http://www.deutschlandfunk.de/sonntagsspaziergang.1241.de.html

11/16 – Ein Monat für die Kunst. Alberto Giacometti, der große Maler und Bildhauer, kam im Bergell, einem Bergtal im Schweizer Engadin, zur Welt. Und er kehrte auch später, als er in Paris lebte und längst zum Weltstar geworden war, immer wieder dorthin zurück. Genau wie er nahm ich von Chur den Zug nach St. Moritz (122 km Weltkulturerbe, der vielen Tunnel und Brücken wegen) und stieg dort um in den Postbus nach Stampa. Dort sah ich mir sein Atelier an, das eben erst rekonstruiert worden war und traf Marco Giacometti, einen weitläufigen Verwandten, der einen großen Giacometti-Gedächtniskult aufziehen will – was wiederum nicht allen im Bergell passt. – Paula Modersohn-Becker wird im Dezember im Fokus stehen. Ein neuer Film kommt in die Kinos, „Paula“, der ihr Leben in Worpswede und Paris zum Inhalt hat. Worpswede ist eigentlich eine wenig interessante Kleinstadt (die aber unbedingt weiterhin Künstler-Dorf genannt werden will), wäre da nicht diese Handvoll interessanter Gebäude, die jeweils für einen bestimmten Charakter und eine bestimmt Epoche stehen: Haus im Schluh, Große Kunstschau, Modersohn-Becker-Haus, Barkenhoff. Lässt man sich darauf ein, öffnet jede Geschichte eine Tür zur nächsten. Und dienstagabends, bei der Jam-Session im Bistro „Sonntag“, steppt tatsächlich der Bär im Teufelsmoor (von dem auch fast nichts mehr übrig geblieben ist).

10/16 – Arhus im dänischen Jütland ist im nächsten Jahr neben Paphos auf Zypern eine der beiden europäischen Kulturhauptstädte. Es wird viel gebaut dort, vor allem am Hafen entsteht ein ganz neues Viertel. Wir sahen uns im Museum „Den gamle By“ einen Straßenzug von 1974 an: Die Räume der Wohngemeinschaft wirken, als wären die vier eben mal ausgegangen, zu einer Kapitalschulung vielleicht oder zu einem Chinaabend. Denn China war damals für die Linke in Dänemark das gelobte Land, erzählte der pensionierte Schuldirektor, der in „Rybergs Supermarket“ im Erdgeschoss den Verkäufer gibt. Quirlig und niedlich präsentierte sich dagegen Latinkvarteret, dänische Kleinstadtidylle in stylisher Form. Anschließend ging es im Kunstmuseum Aros 50 Meter über der Erde durch den „Regenbogen“ von Olafur Eliasson, einen gläsernen Ring, durch den die Stadt immer wieder neu erscheint – in zornigem Rot, geliertem Rosa, entrücktem Grün und eisigem Meerblau. - Aber ein Monat ist lang, und so blieb noch genug Zeit für ein paar Tage Irland. Kulinarisch. Köstlich. Kommunikativ. Es gab Austern, frisches Brot, Cider, geräucherte Forellen, Kekse, Bier – alles präsentiert von den Produzenten, verziert mit viel Philosophie, Historie und Geschichten. Ein Genuss!

Zum Nachhören bleiben die Geschichte der Meerestaucherinnen von Jeju, Südkorea. (25.9.)

http://www.deutschlandfunk.de/sonntagsspaziergang.1241.de.html

Und die der Küche Seouls, beides im Deutschlandfunk.

http://www.deutschlandfunk.de/kulinarischer-streifzug-durch-seoul-nicht-alles-ist-kimchi.1242.de.html?dram:article_id=364780

9/16 – Eine der schönsten Reisen der letzten Jahre: Mit der „Akademik Ioffe“ ging es an der Ostküste von Baffin Island entlang in die kanadische Arktis. Eisbären in 30 Meter Entfernung, fast 300 Meter hohe Vogelfelsen voller Lummen und Möwen, Narwale von fern - und einmal kochte das Meer geradezu von Ringelrobben. Ganz hervorragend waren die Spezialisten an Bord: Katie, die Polar-Historikerin, Franco, der Biologe, Jaques, der Ornithologe. Nick ist ausgewiesener Ökologe und Eisbärforscher, die Kunsthistorikerin Christine Spezialistin in Sachen Inuit-Kunst. Und Ted und Sonja erzählten über die Jagd und das Leben von Inuit-Familien heute: Zum Karibu-Geschnetzelten mit Zitronenpfeffer lädt man seine Freunde über Facebook ein. Dazu Kayakfahren im Eis. Erhabene Landschaften. Ein Besuch im 1500-Seelen-Städtchen Pond Inlet, in dem alles etwas provisorisch wirkt. Eine großartige, 14-tägige Lektion in Sachen Arktisches Leben.

8/16 – Und noch eine geglückte Wanderwoche: Entlang der Costa da Morte, der Todesküste im nordspanischen Galicien, zieht sich der Camino do Faros, der Pfad der Leuchttürme. Schroffe Klippen wechseln mit abgelegenen, sandigen Buchten, anderen Wanderern begegnet man dabei nur selten. Jeden Tag legten wir zwischen 15 und 20 Kilometer zurück, jeder Abschnitt hatte seine Besonderheiten. In der Bucht der Kristalle glitzerte es bunt unter unseren Füßen – Reste einer ehemaligen Glasdeponie, - in Camelle lernten wir die Hütte von Manfred Gnädinger kennen, einem Deutschen, der dort sommers wie winters im Lendenschurz herumgelaufen war, und am gleichen Tag führte uns Jose-Juan, ein Entenmuschelsammler im abgeschabten Neoprenanzug, in die Geheimnisse seines Berufes ein. All die Tage aber begleiteten uns die Leuchttürme – sieben an der Zahl – und Blumen in einer Fülle und Vielfalt, wie ich sie lange nicht mehr gesehen habe.

7/16 – Eine schöne Wanderwoche mit Christoph Hennig, dem bewährten Zu-Fuß-Partner und Freund. Im Departement Finisterre waren wir auf dem GR 34 unterwegs, dem Küstenwanderweg, der sich 1700 km um die Bretagne zieht. Wir erfuhren von Zwergen, die Riesen mit dem Rauch von Farnen vergifteten, sahen Festungen aus dem 2. Weltkrieg und Hinkelsteine, und erlebten, wie die Fischerboote in den Strömungen am Pointe du Raz, dem westlichsten Punkt Frankreichs, in den Strömungen tanzten. In Douarnenez liefen wir die „Straße der Ölsardinen“ ab, in Le Guilvinec besuchten wir das gut gemachte Fischereimuseum und nahmen an der Fischauktion teil, bei der Langustinos, Seeteufel und Kraken ihre neuen Besitzer fanden. Bei denen wir sie jeweils verzehrten, mit einer prickelnden, kalten Flasche Cidre, vesteht sich.

6/16 – Südkorea – noch einen weißen Fleck auf der Asienkarte getilgt. Unterwegs war ich mit Markus Kirchgessner, dem regelmäßigen Reisepartner und hochgeschätzten Fotografen. Und obwohl uns von der Organisation her erst ein paar ordentliche Steine im Weg lagen, haben wir es geschafft, in neun Tagen all unsere geplanten Geschichten zu realisieren: Wir haben uns ausführlich mit der kulinarischen Szene Seouls beschäftigt und die Produktion von Kimchi recherchiert, dem berühmten „Sauerkohl“ Koreas. In Busan, der zweitgrößten Stadt, haben wir uns lange auf Koreas größtem Fischmarkt herumgetrieben und anschließend durch ein Künstlerdorf treiben lassen, in dem wir per Zufall einen Logistik-Manager trafen, der gerade ein Puppenmuseum „Grand Budapest Dollmuseum“ eröffnet. Auf der Insel Jeju schließlich gelang es uns mit Hilfe einer patenten Reiseführerin am Ende doch noch, unsere Geschichte über die Haenyeo zu recherchieren, die berühmten Taucherinnen. Wir sprachen mit 80-Jährigen, die immer noch ins Wasser gehen, kosteten uns durch die Speisekarte der Gemeinde-Restaurants, besuchten das Haenyeo-Museum und waren schließlich dabei, als 50 Frauen in Neoprenanzügen ins Wasser stiegen, um Seetang zu ernten. Sternstunden im Reporterdasein.

5/16 – Der Schuhschnabel, der Sichelvanga, der Mohren-Klaffschnabel, die Inka-Seeschwalbe, der Schwarzgesichtlöffler – das sind ein paar der prominenten Bewohner des Weltvogelparks Walsrode. Über 4000 Vögel aus über 600 Arten krächzen, flöten, zilpen, trompeten dort herum. Und ich durfte mir eine Art Kindertraum erfüllen (den wohl alle mal haben): Ich war Mit-Tierpfleger für einen Tag. Mit Cindy zusammen habe ich die Humboldt-Pinguine gefüttert, habe in der Kolibri-Aufzuchtstation den winzigen Nachwuchs bestaunt und mir von Michael zeigen lassen, wie man einen Falken „fixiert“. Aber natürlich habe ich auch ganz journalistisch mit dem Chef, Geer Scheres gesprochen, war mit Tierarzt Andreas Frei bei den Paradiesvögeln und habe Rote Sichler mit Mehlwürmern gefüttert. – Als Gegengewicht zu soviel Natur kurz darauf etwas Kultur: Miguel de Cervantes starb am 22. April vor 400 Jahren. In Madrid und der Mancha war ich auf seinen Spuren unterwegs und habe, wie immer in Spanien, zu gut und viel gegessen.

4/16 – Brünn, die zweitgrößte Stadt Tschechiens. Ein Bilderbuch der modernen Architektur nach 1918, „viereckig und weiß“, wie Spötter den Funktionalismus kennzeichnen, jenen Baustil, in dem sich Zweck und einfache Schönheit harmonisch vereinigen sollten. Da ist natürlich die berühmte Villa Tugendhat, mit ihrem 237-qm-Wohnzimmer, der freien Wand aus honigfarbenem Onyx und einem Halbrund aus schwarz-gelb geflammtem Ebenholz – weitläufig, elegant und 1929 von Mies van der Rohe für den damaligen Gegenwert von zehn Mietshäusern erbaut. Aber auch Fabriken, Schulen, ganze Straßenzüge sind in diesem Stil gehalten – jedes dieser Werke wäre anderswo eine eigene Sehenswürdigkeit. - Unerwartet, da nicht vorgesehen, aber hochinteresant: Das Roma-Museum im Arbeiterviertel um die ehemalige Waffenfabrik Zbrojovka. Und urgemütlich, wie immer in Tschechien: Das Bier in den Kneipen, die kräftigen Suppen, der kühle Veltliner – man sitzt und sitzt und geniert sich am Ende fast, die Rechnung zu verlangen. Weil sie meist so erstaunlich niedrig ist.

3/16 – Guatemala. Gegraben wurde in Tikal und Yaxha nicht, wie ich eigentlich gehofft hatte. Praktische archäologische Arbeit gab es also nicht zu sehen. Ein anderes Thema aber erwies sich sogar als ungleich aufregender: Die Maya damals und heute. Was ist von der alten Kultur geblieben? Wo berühren sich die Welten von gestern und heute? Es wurde eine Spurensuche in den Ruinen des Petén, bei den Prozessionen in Chichicastenango und Antigua, bei den Weberinnen und dem Maximón am Atitlán-See, in einem Ausbildungsprojekt am Rio Dulce. Maya-Professor, -Kellnerin, -Schuldirektor, -Tuctuc-Fahrer und der Ladino-Manager einer Kaffeefinca – alle hatten sie etwas beizutragen zu einem ungewöhnlich farbigen und tiefgründigen Bild. Am Ende dann noch Schwäbisches Bier in Copán! Und das Ganze im Rahmen einer sympathischen Reisegruppe, mit einer qualifizierten und hoch engagierten Reiseleiterin Gudrun Sievers. – Nettes Thema zwischendurch für „Die Presse“ in Wien, anlässlich der baldigen Präsidentenwahl: Präsidialpaläste in aller Welt. Größenwahn trifft schlechten Geschmack.

2/16 – Am 3. März kommt der erste deutsche Film über Anne Frank in die Kinos. Ich war vorab in Amsterdam und habe mir angesehen, was noch an das Mädchen erinnert, das 15 war, als es in Bergen-Belsen starb. Am beeindruckendsten, weil sehr reduziert, ist das Anne Frank Haus selbst. Kein Kitsch im Inneren: Ein paar kurze Videos, ein paar Zitate – und dann die engen, kahlen, verwinkelten Räume im Halbdunkel, in denen acht Menschen einander 671 Tage ertragen mussten. – Im Gewerbegebiet wurde 2014 eine großes Theater mit riesiger Halbrundbühne extra für ein „Anne“-Stück erbaut - über das man durchaus geteilter Meinung sein darf. – Und im Süden, im „Flussviertel“, wo Familie Frank zuhause war, ehe sie in ihr Versteck umzog, zeigte eine Führerin Wohnung, Denkmal und Schule von Anne, aber auch das Tramdepot, von dem der Aufruf zum Generalstreik 1941 ausging, oder die Tafel, die an Gerrit Jan van der Veen erinnert, der falsche Papiere für Untergetauchte druckte, das Einwohnermeldeamt in Brand steckte und dann von den Deutschen erschossen wurde. Und die Stadt selbst? Am einen Tag sonnig-heiter, am anderen neblig-melancholisch, aber immer sehenwert, gelassen und schön.

1/16 – Advent in Zwickau stand noch an: Bergparade, Weihnachtsmarkt, Abendessen im Kaiserin-Augusta-Schacht – dazu eine Diskussion mit heimischen Hoteliers, inwieweit die Aktionen der rechten Dumpfbacken gegen Asylbewerber alle ihre Versuch zunichte machen, ein positives Sachsen-Image aufzubauen. Passt ja auch irgendwie nicht zusammen: Abends Bergmannsuniformen fotografieren und das Steigerlied mitsingen, und am nächsten Morgen in der Zeitung von Steinen gegen einen Flüchtlingsbus zu lesen. Es gibt Widerstand dagegen, ja. Aber gerade von Touristikern, zu deren geistiger Ausstattung ja doch Weltoffenheit gehören sollte, würde ich einen viel wütenderen Aufschrei erwarten.

12/15 - Vier Tage Madrid. Auch dort gab es die eine oder andere „cana“ oder „jarra“ mit cerveza, vor allem aber viel Laufen und Gucken und Stadt-in-den-Griff-Kriegen. Außergewöhnlich: Picassos Guernica im Centro Arte Reina Sofia – mit etwas Zeit entdeckt man immer noch Neues auf dem fast acht Meter breiten Bild. Zum ersten Mal überhaupt habe ich es in seinen Details verstanden. Aber auch das Thyssen-Museum zeigt großartige Kunst. Die Gran Via, die Prachtstraße, erschlägt jeden, der sie sich zu Fuß vornimmt. Das Mahnmal im Bahnhof Atocha, das an die 191 Tote des Attentats von 2004 erinnert und nach dem wir lange suchten, ist derzeit geschlossen. Die Halle des alten Bahnhofs wurde mit viel Grün und Phantasie in eine Art Palmenhaus umgebaut. Ansonsten: Hervorragende Kutteln in der einen, lieblose Touristenabzocke in der anderen Bar. Auch wenn man lange sucht, fällt man manchmal darauf herein. Und bekommt zehn blasse, kindliche Gambas a la Plancha zum stolzen Preis von 16 Euro.

11/15 – Ums Bier wird sich 2016 in Bayern alles drehen – denn dann wird das Bayrische Reinheitsgebot 500 Jahre alt. Ich bin schon mal vorgefahren und habe vorgekostet: Die Fränkische Schweiz hat über 70 Privatbrauereien und man kann sie erkunden und überall seinen Hopfen-Horizont erweitern: Im Rahmen einer Bierwanderung – alle eineinhalb Stunden ein „Seidla“ oder zwei – , beim Biertheater, einer schröcklichen Romeo-und-Julia-Geschichte im belgisch-bayrischen Biermilieu, und nicht zuletzt beim Bierkulinarium im „Drei Kronen“ in Memmelsdorf: Wer weiß denn schon auf Anhieb, dass allein die Bamberger Mälzereien 74 Arten von Malzen anbieten? Und dass bei Hopfen die Geschmacksrichtungen Mandarine, Mango und Stachelbeere stark im Kommen sind? Prost!

10/15 – Die Erdbeben vom 25. April und 12. Mai haben im Norden von Nepal – Langtang, Helambu, Manaslu – gewaltige Zerstörungen hinterlassen. 8800 Tote, 700 000 beschädigte Häuser. Auf dem Durbar Square von Kathmandu stürzten einige Tempel ein und der alte Königspalast wurde in Mitleidenschaft gezogen. Aber man hat schon aufgeräumt, der Wiederaufbau kann, jetzt nach dem Monsun, beginnen. Ruinenfelder, wie manche Medien sie im ersten Moment beschworen, gibt es nicht. Schlimmer sieht es in Bhaktapur aus: Ich besuchte eine Ansiedlung aus Wellblechhütten, in der um die 500 Leute wohnen. Der Süden der Stadt, mit den alten Häusern der weniger Wohlhabenden, wurde zu 80 Prozent zerstört. Auch das Kinderheim Bottlehouse in den Ausläufern von Kathmandu stürzte zusammen. Betreiber Sudama Karki hat aber mit weltweitwandern und der ASI potente Spender. Die 42 kids von 5 bis 15 leben in Holzhäusern, und auch hier beginnt bald wieder der Neuaufbau – und eine Erweiterung auf 100 Plätze. - Die 130 Veranstalter des forum anders reisen unterstützen mit den CO2-Kompensationszahlungen der Gäste und Firmen künftig den Kauf von Sonnenkollektoren und Biogasanlagen in Nepal. Bei einem jungen Bauernehepaar habe ich mir eine solche angesehen: Die beiden betreiben sie seit 5 Jahren mit dem Mist ihrer Kühe und sind zufrieden mit der Leistung. - Ob aber in Patan, in Pokhara oder im Australia Camp – überall hoffen die Menschen, dass die Touristen wieder kommen. Und glücklicherweise haben die meisten Veranstalter ihre Touren wieder aufgenommen. Zu Recht: Nepal bleibt ein wunderbares Reiseland.

9/15 – Kanada wieder einmal. Saskatchewan – Seen im Norden, Prärie im Süden. Und überall Spuren der Menschen, die das Land geprägt haben. Der Bison-Jump der Cree und Assiniboine in Wanuskewin. Die Hütte von Grey Owl im Prince Albert Nationalpark. Die unterirdischen Tunnel von Moose Jaw, wo angeblich Al Capone seinen Schmuggelwhiskey bezog. Depot, das Ausbildungszentrum der Mounties, der Royal Canadian Mounted Police, in der Hauptstadt Regina. George Garber schließlich, der Mühlheimer, der auf seiner Ranch „La Reata“ Touristen Cowboy spielen lässt – alle tragen sie zum Bild Saskatchewans bei. – Am Ende der Reise machte ich noch einen Abstecher nach Winnipeg und sah mir das neue Museum für Menschenrechte an.
Am 14.9. lese ich in Hamburg im Alabama-Kino aus meinem Fehmarn-Tagebuch zum Festival 1970, das in Ausschnitten in der taz erschienen ist. Vorprogramm zum Film „Jimi & das Fehmarn Festival“ von Rasmus Gerlach und Paul Kums.

8/15 – Künstlerisch tätig in Mittelsachsen: Auf dem Rochlitzer Berg nahm ich an einem Bildhauer-Seminar mit Peter Paul Stahns teil – und stellte mich, nach Meinung des Meisters, nicht allzu dumm an. Eine viereckige Vogeltränke war das Ergebnis. Und wenn sie auch den einen oder anderen an einen Hamster-Sarkophag erinnert – ich bin ein klein wenig stolz darauf. Die interessanteste Erfahrung war, wie viel man im Lauf eines nur einzigen Tages mit einem Stein anstellen kann: Die Arbeit geht schneller vonstatten, als gedacht. Davor und danach und dazwischen erfuhr ich alles über die Gegend und ihren Stein: Sprach mit dem Steinbruchbesitzer über die Marktlage, sah mir die Stadt Rochlitz und ihr Schloss an, beging den Porphyr-Lehrpfad und ließ mir schließlich in der Basilika Wechselburg von Pater Gabriel einiges über den einzigartigen Lettner erzählen – der aus Rotem Porphyr ist, versteht sich.

7/15 – Bulgarien diesmal. Vier Gebirgsformationen standen auf dem Programm: Sredna Gora, Rhodopen, Pirin, Rila - nach und nach vom Leichteren zum Schwierigeren. Was mich am meisten begeisterte, waren die Wiesen: Margeriten, Rotklee, Habichtskraut, Sonnenröschen - das halbe botanische Bestimmungsbuch fand sich auf einem Quadratmeter Feld. Dazu eine enorme Zahl von Orchideen und endemischen Pflanzen – die Wanderung wurde, auch dank Sveta, Meike und Moni, immer wieder zum botanischen Seminar. Und da wir schon bei Blumen sind: Auch die Bodenseegärten, die ich davor besuchte, konnten sich sehen lassen: Demeter-Gemüse in Wartegg, Heilpflanzen samt Verarbeitungsprozess in Roggwil, der wiederhergestellte englische Park auf dem Arenenberg und die Mammutbäume und Kakteen in Überlingen. Überall grüne Daumen am Werk.

6/15 – Es darf ja auch wieder mal etwas gemütlicher weitergehen: Eine Woche Fehmarn mit Freunden stand an. Mittelsäger, Säbelschnäbler, Rotschenkel und Sandregenpfeifer im Vogelschutzgebiet Wallnau. Der Stein, der an Jimmy Hendrix` letztes Konzert im September 1970 erinnert (ich war da!). Köstliche Matjes von der Aalräucherei Böhrk in Burg. Das Rauschen der Windräder, die längst zum Bild von Fehmarn gehören. Bisschen Aquavit auch, o ja. Und vor allem Stunden am Strand, den Kopf zu Boden, Scharren im Kies, die Suche nach Klappersteinen, Ostsee-Jade oder auch einfach besonders gelungenen Granit-, Gneis- und Porphyrstücken. Schön war´s.

5/15-Dornige Lianen, Tropengewitter, Blutegel, und jeden Morgen in müffelnde Hemden schlüpfen, die nie mehr richtig trocken werden – wer tut sich so etwas freiwillig an? Es sind die „Fußsoldaten der Wissenschaft“, Laien, die in den Wald, ins Gebirge oder in den Dschungel ziehen und für die Experten wichtige Daten sammeln: Fußspuren von Tieren, Kot, oder auch Fotos, die mit Kamerafallen aufgenommen wurden. Mit dem Veranstalter Biosphere Expeditions habe ich fünf von ihnen nach Sumatra begleitet, wo sie in Zuammenarbeit mit dem WWF wissenschaftlich für den hochgefährdeten Sumatra Tiger tätig wurden. Schwülfeucht war es dort, das Wasser in den Flüssen reichte uns manchmal bis zur Hüfte, bis zur Brust, und einmal biss ein Fisch oder eine Schildkröte einem der Expeditionsleiter ein Stück Zeh ab. Aber trotz resignierender Nationalpark-Ranger, trotz Hunderter illegal geschlagener Baumstämme, die täglich auf dem Fluss vorüberzogen, verloren sie die Lust an der Sache nicht, sondern stapften jeden Tag wieder hinaus in ein neues, zwei mal zwei Kilometer großes Plaquadrat. Manuela, Steve, Matthias, Michael, Tessa – alle Achtung!

4/15 – Zurück aus dem Oman. Es war, um es kurz zu machen, eine der beeindruckendsten Reisen seit langem. Canyoning in großartigen Wadis. Abseilen, klettern, waten, schwimmen, springen, tauchen – im 28 Grad warmen Wasser bei Temperaturen von 40 Grad plus, mit wenig Schatten. Das Ganze mit einer sehr fröhlichen und kommunikativen Gruppe sowie Rachel, der kompetenten und sympathischen Reiseleiterin aus der Schweiz, die Arabisch spricht und ihre Fahrer im Macho-Paradies Arabien sowas von in der Hand hatte. Dazu eine Fahrt mit der Dau, eine Übernachtung in der Sandwüste, alles Wissenswerte über Dattelsorten sowie eine Portion frisch hergestellten Rosenwassers ins Haar, nach dessen Gebrauch man den ganzen Tag nach stark geräuchertem Schinken roch.

3/15 – Die Old Burma Road war eine Straße, die rund 200 000 chinesische Männer, Frauen und Kinder 1937/38 ins unwegsame Bergland der Provinz Yunnan bauten, damit die Alliiierten den chinesischen Truppen von Burma aus Nachschub in ihrem Kampf gegen die Japaner schicken konnten. 1154 km lang ist sie, und verläuft vom chinesischen Kunming bis Lashio im heutigen Myanmar. Viel ist davon nicht erhalten: Ein paar Steinwalzen und etwa 20 km Originalstraße. In Tengchong aber erklärt ein nagelneues Museum detailliert das Riesenprojekt und den ganzen Kriegsverlauf. Es gibt grausame Filme, große Dioramen, jede Menge Waffen und Gerät – und man versteht, welche Wunde das Vorgehen der Japaner im Gedächtnis der Chinesen hinterlassen hat. Entlang der Straße fanden sich interessante Städte: Das überschaubare Weishan, das ich beim Aufwachen am Morgen beobachtete. Dali, wo die Chinesen bunt und schrill Urlaub machen. Tengchong mit seinen breiten Boulevards. Per Flieger ging es rüber nach Myanmar, auf das Shan-Plateau, wo die Engländer sich von der Hitze Mandalays erholten. Alles very british, immer noch.
Jetzt noch ein wenig Radio: Die Geschichte über die Busfahrt nach Portugal findet sich im Deutschlandfunk unter http://www.deutschlandfunk.de/fernbus-romantik-von-freiburg-nach-lissabon.1242.de.html?dram:article_id=312963

2/15 – Am 8.2. hat der Deutschlandfunk meine böhmisch-bayrischen Grenzgeschichten gesendet. Hier sind sie nachzuhören undnachzulesen: http://www.deutschlandfunk.de/tschechisch-deutsche-vermischungen-unterwegs-im-boehmisch.1242.de.html?dram:article_id=311049.
- Gestandene Herren im Frack, ein Concierge, der alte Damen beglückt, wilde Fluchten, bittersüßer Liebessschmerz, und das alles eingebettet in ein märchenhaftes Hotel mit Zuckerbäckerfassade – das ist der Inhalt von „The Grand Budapest Hotel“, dem Film, der eben für neun Oscars nominiert wurde. Nun behauptet das „Corinthia“ in Budapest, sein Vorgänger, The Grand Hotel Royal, sei das Vorbild für den Film gewesen. Ich flog nach Budapest. Ich sah mir das luxuriöse 5-Sterne-Haus an. Ich ließ mir von Senior Duty Manager Tibór Meskal stundenlang die Historie erzählen. Ich besichtigte den alten Ballsaal, studierte das Gästebuch, sprach mit den Concierges Tamás Ungár und Zoltán Fekete und kam zu folgendem Ergebnis: Die Argumente für die Behauptung mögen nicht unbedingt zwingend sein. Aber wer eine gute Geschichte erzählt, hat einfach Recht.

1/15 - Allen geschätzten Besucherinnen und Besuchern meiner website , allen kritischen Kontrolleuren, allen wachen Neugierigen, allen kritisch Besorgten, allen gelegentlich Begeisterten und allen hin und wieder Gelangweilten wünsche ich ein farbiges, abwechslungsreiches und entspanntes neues Jahr. - Der Deutschlandfunk brachte im Sonntagsspaziergang meinen Bericht von den Goldfeldern Westaustraliens. Anhören kann man ihn unter folgendem Link:
http://www.deutschlandfunk.de/westaustralien-auf-den-spuren-des-goldes.1242.de.html?dram:article_id=307727

12/14 – Nürnberg klappte dann im zweiten Anlauf: 700 Jahre Bratwurst – sowas wie ein nichtvegetarischer Intensivkurs in zwei Tagen. Im Deutschlandfunk klingt das so:
http://www.deutschlandfunk.de/weltberuehmte-regionalspeise-700-jahre-nuernberger-bratwurst.1242.de.html?dram:article_id=305474
In Sri Lanka war ich zuletzt vor fast 20 Jahren gewesen. Jetzt ging es, zusammen mit Fotograf Markus Kirchgessner, zum Wandern dorthin. Am Flughafen traf ich zufällig Uli, eine ehemalige Kollegin, die seit zehn Jahren als Nonne in Kandy lebt. Gutes Omen – wirkte sich aber nicht aufs Wetter aus: Das war so miserabel wie die ganzen Wochen davor. Die Wolkenmädchen von Sigiriya, die Berge der Knuckles, den Wasserfall Rathna Ella, die Teeplantagen im Hochland – alles erlebten wir durch einen nassen Schleier. Gleichmut tat not, buddhistische Gelassenheit. Umso schöner dann die sonnigen Stunden: Die Wanderungen durch Reisfelder, die farbenprächtigen Schmetterlinge und vor allem die Begegnungen mit so vielen freundlich lächelnden Menschen machen das Land zu einem wunderbaren Ziel. Und die kleinen, nervigen Blutegel gehören einfach dazu.

11/14 – Der Streik, der Streik. Erst zwang er mich, in Aachen, wo ich bei Lambertz und in der Bäckerei Klein den Printen nachgeschmeckt hatte, einen unerwünschten Tag Zusatzurlaub einzulegen. Printen und Pfefferkuchen aus Pulsnitz hatten dann ihren gemeinsamen Auftritt im Deutschlandfunk:
http://www.deutschlandfunk.de/klassiker-pulsnitzer-pfefferkuchen-und-aachener-printen.1242.de.html?dram:article_id=304146
Dann fiel eine Reise nach Nürnberg ins Wasser.– Dazwischen aber hatte ich Zeit, mir in Sachsen die neue „Route der Industriekultur“ anzusehen. Der gusseiserne Turm von Löbau, die Pferdebahn in Döbeln, das hochmoderne Schminkehaus aus den 1930er Jahren – es war eine aufregende Begegnung mit jener Epoche, in der Sachsen eine der modernsten und experimentierfreudigsten Regionen Deutschlands war. 51 interessante Orte verbindet der Kurs – dutzende links und rechts des Weges kann man darüberhinaus selbst entdecken. Passend zur Region schrieb ich für Sonntag aktuell einen Kurzessay zum 25. Jahrestag der Wende:

Geht doch nach drüben!

Am Rand der Stadt war die eine Republik zu Ende und die andere begann. Direkt hinter Lübeck-Schlutup sperrten Grenzbefestigungen die Straße, dahinter lag die DDR, das unbekannte Terrain.
Wien und Venedig, das waren feste Größen. Aber wie sah es wohl in Wismar aus? Zaragoza, Helsinki, Amsterdam: alle gesehen – doch wo genau lag eigentlich Karl-Marx-Stadt? Und hieß das früher nicht einmal anders? Nach Ostberlin hatte ich es geschafft, und einmal in den Spreewald, immerhin. Aber sonst? Ein großer, weißer Klecks war dieses realsozialistische Gebilde.
Dann kam der 9. November. Als die Schlagbäume hochgingen, strömten nicht nur Bürger der DDR in die Grenzstädte. Auch im Westen herrschte Aufbruchsstimmung – zumindest bei denen, die von Berufs wegen neugierig waren oder einfach ein entsprechendes Gen in sich trugen. Zusammen mit der Armee der Beamten, der Versicherungsvertreter und Bierverleger setzten auch die Journalisten sich in Bewegung. Wir fuhren hinüber. Rumpelten durch eimertiefe Schlaglöcher. Irrten herum. Und sahen uns um.
Da dämmerten, keine 30 Kilometer von zuhause entfernt, marode Herrenhäuser hinter dichten Brombeerhecken vor sich hin. Auf Rügen sammelten sich im Herbst die Kraniche zu Tausenden. Am Schaalsee, wo noch die Minen im Grenzstreifen lagen, fühlten sich Gänsesäger und Seeadler wohl. Und in Sebnitz in Sachsen wurden also die Kunstblumen hergestellt, die im Winter die Kränze auf unseren Friedhöfen zierten, soso. So viel war da draußen, da drüben, was wir nie erwartet hätten. War Anlass zum Kopfschütteln, Staunen oder Gruseln – und Grund, das eigene Weltbild in Frage zu stellen. Plötzlich öffnete sich ein neuer Kontinent, direkt vor unserer Haustüre.
Wir kamen ins Reden mit „denen drüben“. Längst nicht überall waren wir willkommen. Die Treuhand arbeitete schon heftig am Kahlschlag und hinterließ tiefe Wunden. Man beäugte sich. Man rieb sich aneinander. Es dauerte, bis man den richtigen Ton fand. Den Journalistinnen und Journalisten, die sich von Osten in den Westen aufmachten, ging es nicht anders. Der dreisten Ruppigkeit alter Kellner in Rheinsberg oder Zittau -„Sie-werden-immer-noch-plaziert“ - entsprach die verächtliche Herablassung, mit der man den Kollegen in Braunschweig oder Darmstadt den Kaffee hinknallte, wenn sie ihn auf Sächsisch bestellten. Manchmal fühlte man, Ost wie West, sich im anderen Teil der Republik fremder als in Leningrad oder Glasgow.
Die Jahre, die kamen, wurden zu den interessantesten. Wer hat schon die Chance, ein Land im Umbruch zu beobachten. Wir lernten pfiffige Waldgänger kennen, die vor Vergnügen glucksten, dass die DDR es noch im Abgang verstanden hatte, große Flächen für den Naturschutz zu sichern. Wir trafen großmäulige Investoren mit D-Mark-Zeichen in den Augen und touristische Überzeugungstäter, die ihren letzten Pfennig in eine winzige Pension ohne Zukunftschancen steckten. Idealisten und geldgeile Idioten – es gab sie in der Ost- wie der Westversion.
Und auch zu schmecken fand sich immer wieder Neues: Von der Dresdner Eierschecke über die Rostocker Rauchwurst und den Quark mit Leinöl in Thüringen bis zu den Lausitzer Plinsen probierten wir alles durch.
Nach und nach lernten wir voneinander - zum Teil sogar eine neue Sprache. Was meinte die Wanderführerin im Elbsandsteingebirge, wenn sie „an der nächsten Baude die fuffzehn machen“ wollte? Rast an einem Unterstand – na klar, was denn sonst? Manchmal stritten wir heftig. Und manchmal gab es dieses gegenseitige Grinsen: FKK im Osten, Kiffen im Westen – lasst mal, das versteht Ihr nicht!
Schlimm aber waren die Zeiten, als nationalbesoffene Glatzen wüteten, und man keinen Besucher mehr guten Gewissens für Thüringen oder Brandenburg begeistern konnte und wollte – aber auch nicht für Mölln, nicht zu vergessen.
Seitdem bin ich jedes Jahr mehrere Male im Osten Deutschlands unterwegs. Ich bin die Elbe entlanggeradelt, habe mich im Erzgebirge am Schnitzen versucht und die Weine von Saale und Unstrut lieben gelernt. In der Kutsche bin ich durch die Griese Gegend gezuckelt, auf den Spuren Luthers und Liszts durch Thüringen gezogen, und als ich die Prora-Bauten auf Rügen sah, habe ich den Nationalsozialismus ein ganzes Stück besser verstanden. In Lehesten in Thüringen erfuhr ich, dass es im Schieferwerk auch Gastarbeiter aus dem Westen gab. Ich habe mir unzählige Grenzgeschichten angehört, von Menschen, die geflüchtet, und anderen, die bewusst geblieben sind. Und immer wieder habe ich mir Ruinen angesehen, von VEBs und LPGs, von Kasernen, Kirchen und Konsum-Läden. Ich mag den Klützer Winkel, bewundere die Silhouette von Dresden – aber die Volksmusik aus Thüringen ist mir so fremd geblieben wie die bayrischer Blaskapellen. Und in Stockheim in Franken bin ich schließlich auch auf das kulinarische Ergebnis des Zusammenwachsens gestoßen: Bei der „wiedervereinigten Bratwurst“ liegen eine Fränkische und eine Thüringer dicht nebeneinander im Brötchen.
Längst ist das Reisen in Ostdeutschland nicht mehr so aufregend wie einst. Heute sind die Straßen im vorletzten Dörfchen Sachsens besser als die in Gelsenkirchen-Mitte. Die Hotels in Leipzig stehen denen in Hamburg in nichts nach. Und die Touristiker in Gera und Potsdam beten das Marketing-Alphabet von „Partnerbetrieben, Themenmix und Alleinstellungsmerkmalen“ so routiniert herunter wie ihre Kollegen in Füssen oder Freiburg.
Nach wie vor aber gibt es zwischen Zwickau und Kap Arkona unendlich viel zu entdecken. Und da das Herumkommen soviel leichter geworden ist, gilt immer noch und heute erst recht: Geht doch nach drüben! Zumindest hin und wieder.

10/14 – Ganz was Neues und Überraschendes: Mit Peter Sommer Travels, einem englischen Veranstalter, war ich in einem Gulet, einem traditionellen Holzboot, an der Karischen Küste im Südwesten der Türkei unterwegs. Das Leben an Bord vom Feinsten: Drei exzellente Mahlzeiten am Tag, ansonsten lesen, schwimmen, schnorcheln, plaudern. Jeden Tag legte das Schiff in einer anderen Bucht oder einem anderen Hafen an, und es ging hinaus, irgendeine antike Stätte besichtigen. Die Bandbreite war enorm: Sie reichte vom unbekannten Phoenix, eigentlich nur ein großer Haufen Steine, zur prima erhaltenen Festung Loryma, von den Felsengräbern bei Dalia bis zur ausgegrabenen Stadt Knidos, wo einst die weltberühmte Statue der Aphrodite gestanden hatte – die erste lebensgroße Nackte der Antike. Julian Bennett, englischer Archäologe aus Ankara, führte mit viel Witz und Engagement – und plötzlich kriegte so eine Kreuzfahrt ein ganz anderes, ungewöhnliches Gesicht. – Kontrast: Reutte in Tirol: Seine Berge, seine Seen, sein Lech und seine Burgen. Auf ganz andere Weise interessant.

9/14 – Der Norden rief – und wir gehorchten. Es ging in die Lüneburger Heide, die jetzt in voller Blüte steht. Ich sah mir Abschnitt 2 des Heidschnuckenwegs an, der eben zu Deutschlands schönstem Wanderweg gewählt worden war. Und hängte Etappe 3 gleich an – die mir, vor allem in der Winsener Heide, viel,viel besser gefiel. – Zwei Tage später war nicht die Botanik, sondern die Ornithologie Thema: An der Müritz treffen die Kraniche aus Skandinavien ein und hauen sich, vor dem Weiterflug nach Spanien, nochmal ordentlich den Bauch voll. 2000 immerhin sahen – und vor allem hörten – wir am Rederangsee. – Davor, nicht zu vergessen, war ich im Grenzland zwischen Böhmen und Bayern unterwegs, traf Herrn Roith, Maurer von Beruf, der in seiner Freizeit die Grundmauern des verschwundenen Dorfes Grafenried freilegt, und hörte im Schloss Ronsperg die herzzereißende Geschichte vom Grafen Coudenhove-Kalergi und seiner Ehefrau Mitsuko, eine der ersten Japanerinnen überhaupt, die nach Europa kamen. Und wieder einmal stellte ich fest, dass jeder Ort umso interessanter wird, je engagierter die Führer auftreten – Katka und Gerd in diesem Fall. Am Schluss blieben drei Tage für Pilsen, Europas Kulturhauptstadt 2015, neben Mons in Belgien.

8/14 – Finnland. Nordkarelien. Vor 20 Jahren waren wir das letzte Mal da, Kaija und ich. Es hat sich nicht allzusehr verändert, wurde vielleicht noch ein wenig mehr entvölkert. In Möhkö, dem östlichsten Dorf auf EU-Festland (Zypern ragt noch ein Stück weiter vor) wohnten wir im östlichsten Hotel und besuchten natürlich auch den alleröstlichsten Punkt an der Grenze. Karelien rundum: Kantele-Musik, Piroggen, Sommer-Theater, Kanonen und Haubitzen aus den beiden Kriegen mit der Sowjetunion – die Uhren gehen hier schon ein wenig anders. – Kontrastprogramm KAT-Walk, Kitzbüheler Alpen-Trail. Dauerregen am ersten Tag: Trotzdem ein interessanter Vormittag bei Sepp Kahn, dem Senner-Poeten. Nebel am zweiten: Am Hahnenkamm in Kitzbühel reichte die Sicht immerhin zum Gruseln: Grausig, was Skifahrer sich alles antun! Sonne am dritten: Ein wunderbarer Alpengarten und ein Abschlussbier in St. Johann.

7/14 – Zehn Jahre liegt meine letzte Busreise zurück: Mit Rainbowtours und 60 zum Äußersten entschlossenen Jugendlichen ging es nach Lloret de Mar – ein zehntägiger Kraftakt. Jetzt habe ich wieder eine unternommen – und es war entschieden angenehmer. Von Freiburg aus fuhr ich mit Avanti durch Frankreich über San Sebastian, Bilbao, Burgos, Zamora, Geres und Porto nach Lissabon. 28 Menschen waren dabei, fast alle jenseits der 50. Und es war, um es kurz zu machen, eine ganz zauberhafte Tour. Das Verhältnis von Fahrzeiten und Stopps stimmte. Es blieb immer Zeit, sich Städte auf eigene Faust anzusehen. Attraktionen wie das Guggenheim-Museum oder die Altstadt von Porto bildeten Höhepunkte, Überraschungen wie die Marienprozession von Zamora kamen dazu. Eine Wanderung im Geres-Nationalpark gipfelte in einem gehaltvollen Picknick. Vor allem aber passte die Stimmung in der Gruppe: Alle hatten etwas zu erzählen, alle waren imstande, zuzuhören, und es wurde viel gelacht. Ich habe es sehr genossen und bedanke mich bei allen.

6/14 – Der Sommer kommt in Schwung: In Hessen Ahle Wurscht und hervorragenden Rheingauer Riesling. In Irland die wechselnden Landschaften der Westküste: die Karstberge des Burren, die 200 Meter hohen Kliffs von Moher sowie das grüne Patchwork um und die 53 Pubs in Dingle. Stechginster und Wollgras auf den Moorflächen der Halbinsel Iveragh, um die der Ring of Kerry führt. Und immer mal wieder frische Austern, Fish & Chips und das eine oder andere pint of Smithwicks. – Dann aber: Hansetag in Lübeck. Ich erkannte, die Stadt, in der ich seit 35 Jahren lebe, nicht wieder: Alle schienen auf den Beinen, „eine Stimmung fröhlicher Erwartung hatte“, wie es so heißt, „Besucher und Gäste erfasst“. Prima Konzert von Glenfiddle in Schuppen 6, großartig die Seeschlacht am Samstagmorgen, bei der vier Koggen gegeneinander fuhren, ordentlich Schwarzpulver verböllerten und unter wüstesten Beschimpfungen die „Briten“ aus Kiel schließlich zum Abdrehen zwangen. Gelungene Choreographie, tolle Kostüme an Bord und der perfekte, weiß-blaue Himmel dazu. Es machte einfach Spaß, zwischen den Touri-Ständen der Hansestädte durchzubummeln oder am Holstentor im Chill-out-Bereich Bratkartoffeln zu gabeln. A propos Kulinarik: Der einzige Wehmuts-mehr-als-ein-Tropfen: Die Stände mit Essen und Trinken waren traurig konform: Flammkuchen, Wurst, Crepes, Spießbraten... Ausnahmen: Die Polen in der Breiten Straße mit Bigos und Krakauer, die Bratkartoffeln am Holstentor. Verschiedene Unternehmen waren mit gleich mehreren Niederlassungen vertreten. Wahrscheinlich waren Standgebühren und Auflagen so hoch, dass nur die Großen zum Zug kamen. Andrea Gastager, die scheidende Tourismuschefin wurde schon hinreichend für ihr Meisterstück beglückwünscht. Ich schließe mich an.

5/14 – Kopenhagen endlich wieder einmal, eine meiner Lieblingsstädte. Es purzelt jedes Mal wieder was Anderes aus der Überraschungstüte: Die neue Generation der City-Bikes – mit Elektromotoren und eingebautem Tablett. Ein Imbiss, der groß geworden ist durch den Verkauf von Müsli und diversen Varianten von Brei. Die Markthalle, in der allein der Spanier mehr Wurstsorten parat hat als ein spanischer Supermarkt in Deutschland. Der neue Stadtteil, der im Nordhafen entsteht. Und so einiges Kulinarische: Ganz großes Küchenkino im Amass, mit heiss geräuchertem Seehasen mit fritierten Algen, Dry-aged-Rinderfilet mit Giersch und Rhabarbersorbet in Rosmarinöl. Das Kontrastprogramm heißt „Rub&Stub“, eine neues Lokal im „Huset“, wo ich vor vielen Jahren mein ersten „Half&Half“ getrunken habe, halb helles, halb dunkles Bier. Hier verwenden sie nur Zutaten aus Spenden von Firmen: Überproduktionen, Lebensmittel, die nicht schön genug sind oder für die der Lagerplatz fehlt. Gemanagt wird es von Freiwilligen, die auch voller Begeisterung vom Projekt erzählen. Das Essen konnte leider nicht mithalten: Ein verkochtes Gemüseragout, das um Gewürze bettelte. Liegt sicher auch daran, dass die beiden Profiköche nur am Wochenende abends in der Küche stehen. Aber die Idee wäre es wert, das man das beste daraus macht.

4/14 – „Ne, wat is dat schön!“, hieß es am Wochenende. Köln stand auf der Liste. Köln lustig. Zwei Varianten habe ich mitgemacht: Die „Comedytour“ mit Jessica Sinapi war laut, krachig, fröhlich. Fast jeder im Bus hatte bald eine Rolle weg: Klugscheißer, Zeremonienmeister, Pressesprecher. Ein paar echte Kölner – und vier, man höre, tatsächliche Düsseldorfer – waren im Bus. Daraus machte dat Köllsche Mädsche ein nettes Event.- Mehr von der Stadt erfahren habe ich bei der „Lachexpedition“. Sachse Edno Bommel hielt sich enger an Dom, Neumarkt, Oldenburgs Eistüte und Renzo Pianos Walfischbauch und woran man sonst so vorbeifuhr. Kölsch gabs bei beiden. Und gesungen wurde gleichermaßen viel und falsch. "Ich mööch zo Fuß noh Kölle gonn", schrieb der schon todkranke Sänger Willi Ostermann 1936. Na, wir wollen ja nicht gleich übertreiben...

3/14 – März ist der Monat der ITB, der Internationalen Tourismusbörse in Berlin. Am schönsten ist es, in der allgemeinen Hektik auf ein paar vertraute Gesichter zu stoßen, ein kurzes „Wie geht´s?“ – „Wir sehen uns abends beim Iren“ – und schon hetzt man weiter, zum nächsten Stand, zum folgenden Termin. Man trifft Agenturmitarbeiterinnen, die einen kennenlernen wollen, Reiseveranstalter die man immer schon mal kennenlernen wollte, fragt nach neuen Touren und frische Ideen – und wird erstaunlicherweise immer wieder mal fündig. Von Münchner Weißwurst über schwäbische Spätzle isst man sich durch bis zu kandischen Austern und französischer Entenleber, hört Kurzanalysen über Venezuela (sieht übel aus!) oder Ekuador (entwickelt sich super!) und wird einfach nicht müde, noch einen und noch einen alten Freund oder eine neue Bekannte nach Plänen, Erfolgen oder Rückschlägen auszufragen. Bei aller Konkurrenz hat sich über die Jahre ein schönes Verhältnis zu vielen Kolleginnen und Kollegen entwickelt, stelle ich bei jeder ITB fest. Und deshalb möchte ich sie nicht missen.

2/14 – Zweierlei geschah: Bei der Jagd nach dem Nordlicht in Nordnorwegen rutschte ich an Deck eines Hurtigrutenschiffes am vereisten Jacuzzi aus und knallte übel auf den Rücken. Was sich am Ende aber glücklicherweise doch nur als Prellung erwies. Das Nordlicht stellten wir am letzten Tag dann, in der lichtlosen Einöde hinter Tromsoe. Und es machte ordentlich was her. – Zum anderen habe ich wieder einen weißen Fleck auf meiner Weltkarte getilgt: Zum ersten Mal ging es auf die Philippinen. Die Begeisterung der Filippinos für Einkaufs-Malls kann ich leider nicht teilen, und die Staus in der Hauptstadt sind wahrlich keine Freude. Dann aber ging es auf die Insel Palawan, und da hieß es dann doch wieder mal, große Augen zu machen. Ein Gefängnis als Ausflugsziel, in dem man Basteleien der Insassen kauft. Eine Abfahrt per Zipline, im strömenden Monsun. Die Verkostung eines „Balut“, eines angebrüteten Enteneis. Und eine Tour über den Unterirdischen Fluss – durch den großartigsten Tunnel der Welt.

1/14 – Eine großartige Australienreise. Vom quirligen Perth an der Westküste führte sie über Esperance ins Golden Outback. Dies ist Goldgräberland, hierher pilgerten in den 1890er-Jahren Zehntausende, angelockt von Gerüchten um kartoffelgroße Goldkbrocken, die man bloß auflesen müsse. Lebhafte Städte wie Coolgardie, Norseman oder Menzies schossen aus dem Boden – und sind heute verschlafene Nester mit 200, 300 Einwohnern. In Gwalia stehen die Wellblechhütten der Minenarbeiter, als hätten diese eben erst den Tisch verlassen. In Kookynie (acht Einwohner statt einst 3500) kippte Lazy Les, ein Goldgräber, aus seinem Filmdöschen Nuggets auf den Tisch. In Kalgoorlie aber leben immer noch 30 000 Leute. Und Gold bestimmt nach wie vor das Leben. Viele der Einwohner arbeiten im „Superpit“, der größten Mine des Kontinents, einer Riesenbadewanne von vier Kilometern Länge, zwei Kilometern Breite und 600 Metern Tiefe. Wer lieber selbst auf die Suche gehen will, bekommt bei „finders x keepers“ alles nötige Material - vom Metalldetektor über die Spitzhacke bis zum Goldatlas . Seinen glücklichen Fund kann er dann gleich drei Türen weiter versilbern: Goldhändlerin Lecka Mahoney zeigte ein Nugget, das sie an diesem Morgen von einem Schürfer gekauft hatte. Mit 35 000 Dollar in bar sei er – fröhlich pfeifend - zur Tür hinausspaziert.

12/13 – Und noch mehr Deutschland. Konstanz feiert im nächsten Jahr 600 Jahre Konzil. Henry Gerlach führt als Ulrich Richental durch die Stadt. Was enormen Spaß macht, weil der Mann scheinbar alles weiß, was man über das Spektakel wissen kann, zusammen mit seiner Frau einen Krimi darüber geschrieben hat (aus dem sie abends vorlas) und außerdem noch über den notwendigen trockenen Humor verfügt. Schön war auch, bei Tamara wieder mal ein „Dünnele“ zu essen. – Für den Schöning Verlag mache ich derzeit eine Broschüre über Bonn. Drei Tage lang habe ich die Stadt durchstreift, von Post-Tower bis Poppelsdorfer Schloss. Dem heimlichen Stadtpatron, Ludwig van B., bin ich dabei in seinem Museum auf ganz neue Art nähergekommen: „Fidelio“ virtuell – bunte Spiralen, Stäbe und Kugeln tanzen zum Klang der Musik. – Und zwischendurch gab es einen schnellen, spontanen Abstecher ins Burgenland: Die Martinsgans wollte besucht, verkostet und beschrieben werden.

11/13 – Wieder mal mehr im Heimischen unterwegs: In Dresden lernte ich bei Bäckermeister Müller, was einen „Schreistollen“ von einem „Flüsterstollen“ unterscheidet, welche Zutaten in einem echten Dresdner Stollen, dem „Gebildbackwerk“, drin sein müssen, und wie man ihn backt. – Im Allgäu wanderte ich auf den Pfaden der „Allgäu-Trilogie“, die nächstes Jahr eröffnet wird und das Allgäu mit einem dichten Netz von Wanderwegen überzieht. Geschichten soll sie erzählen, ein paar hochinteressante habe ich mir vorab schon angehört: In der faszinierenden Prädikantenbibliothek in Isny, vor der altersgrauen Mühle von Katzbrui bei Bad Wörishofen und beim strömenden Regen im Hintersteiner Tal.

10/13 – Ein bewegter Monat: Die alljährliche Italienwanderung mit Christoph führte dieses Mal nach Sardinien. Das Wetter war durchwachsen. Einen Tag saßen wir nur im Auto und sahen Flüsse aus Schlamm und Regen an uns vorbeiziehen. 24 Stunden später klebten wir schon schwitzend am Hang – eine wunderbare Küstenwanderung in voller Sonne. – Auf der Fraueninsel wie auf der Herreninsel im Chiemsee traf ich jede Menge aufgeschlossener Menschen: Die Fischerfamilie in drei Generationen, den weiblichen Kastellan (die Berufsbezeichung ist nicht ganz klar), den Wassermechaniker. Sowie: einen belesenen Fledermausforscher, den selbstbewussten Kutschenwart, einen mitteilsamen Baumpfleger, die fröhliche Benediktinerin... – ein Glücksfall, wenn man fürs Radio unterwegs ist. – Riga schließlich, die Kulturhauptstadt Europas im nächsten Jahr, überraschte mich: Ich sah Projekte in den Blocks der Moskauer Vorstadt, besuchte das neu eröffnete Zanis-Lipke-Memorial und das Ghetto-Museum, sprach mit der Leiterin des Jugendstilmuseums - und Inga, die Reiseleiterin, schleppte sogar ihre Freundinnen an, damit ich mit ihnen reden und mir ein möglichst nuancenreiches Bild der Stadt verschaffen sollte.

9/13 – Ein Traum wurde wahr – zumindest für Kaija: Wir waren mit dem Hausboot unterwegs, oder genauer: per Hausboot-Yacht. Sehr lange hatte sie sich gewünscht, dass wir einmal das Bordleben gemeinsam ausprobieren. Jetzt, an der Müritz, war es soweit. 12 Meter lang und 4,5 Meter breit war die „Luisa“. Der Skipper und sin Fru bekamen eine vierstündige Einführung (Bootsführerschein hat keiner von ihnen), dann ging´s allein über die Mecklenburger Kleinseenplatte. Doch das erwies sich als alles andere als einfach: Die gute „Luisa“ zeigte sich ein bisschen zickig – zumindest in des Skippers Hand: Zog nach links, wo sie geradeaus sollte, fuhr nur zögerlich nach rechts, wenn es schnell gehen musste. Kurz: Es war ein munterer Zickzack über die schönen Seen und durch die kleinen Kanäle. Immerhin gelangen die Anlegemanöver in der Marina Wolfsbruch und in Rheinsberg und das machte den Skipper beide Male ein wenig euphorisch. Rheinsberg im übrigen ganz zauberhaft: Das hübsche Schloss, der aufgeschlossene Angestellte im Tucholsky-Museum und die Bouillabaisse aus heimischen Fischen im „Seehof“.

8/13 – Was für ein Sommer! Und welches Glück, ausgerechnet in diesen Tagen mal nicht streng auf Achse zu sein. Immerhin: Ein dreitägiger Düsseldorf-Besuch stand an. Recherche für eine Bild-Broschüre, die ich für den Schöning-Verlag schreibe. Die Stadt ist eine einzige Baustelle, in die Breite, in die Höhe, in die Tiefe. Aber schon jetzt ist auszumachen, dass der neue Kö-Bogen von Daniel Libeskind die Kö enorm aufwertet. Dazu gibt es eine neue U-Bahn-Linie, die viel Autoverkehr ersparen soll – man denkt voraus! Überhaupt: Eine charmante kleine Großstadt ist dieses Dü-dorf. – Und was passiert hier, Schleswig-Holstein, Lübeck, Eichenweg? Kartoffeln lesen, Bohnen ernten, Endivien pflanzen, Johannisbeeren pflücken – das arbeitsame Leben des Landmannes eben.

7/13 – Wie sagte einst ein berühmter Bundesligatrainer: „Läbbe geht weidder.“ Und so ist es. Schließlich wartet immer noch die Welt. Im Zillertal und im Karwendel in Tirol war ich zum Arbeitseinsatz auf der Alm: Ampfer ausgraben, Steine sammeln, Wiesen schwenden, d.h. von Latschen befreien – und keine Müdigkeit vorschützen. Hinterher gabs Melkermus – eine Erinnerung an die „Stopfer“ einst im Allgäu, für die auch galt: Hauptsache satt werden! - Eher erholsam ging es dann an der belgischen Nordseeküste zu: Das Festival „A l` ostendaise“ hat sich zum Ziel gesetzt, unbekanntere Fische stärker ins Bewusstsein zu rücken. 25 Restaurants promoten jeweils einen Fisch des Monats: Wittling, Franzosendorsch, Rochen. Kurios war es, den Krabbenfischern von Oostduinkerke zuzusehen, wie sie hoch zu Ross ihre Netze im knietiefen Wasser hin- und herzogen. Ein mühseliges Geschäft mit geringer Ausbeute – es herrschte zuviel Wind an diesem Tag. Früher war diese Art der Fischerei an vielen Küsten der Nordsee beheimatet, heute wird sie nur noch in dem kleinen Städtchen praktiziert – und das vornehmlich für die Touristen.

6/13 – Für alles gibt es eine Premiere: Jetzt hat es mich zum ersten Mal ins Krankenhaus verschlagen. Die Wände wichen, kein Stück Erdboden war mehr da, wo es sein sollte, ich wurde zum Fallobst. Lübeck-Süd statt Lima-Barranco. „Entzündung eines Gleichgewichtsnervs“ lautete die Diagnose. Cortison und Krankengymnastik. Ruhigere Tage mit langen Blicken ins Grün – und der Hoffnung, das bald wieder Normalzustand herrscht: „Business as usual“ kann eine schöne Sache sein. Näheres findet sich in der ersten taz-Glosse „Ich meld mich“.

5/13 – Zwei Tage bei den Gärtnern auf der Mainau: Die Herrn der Dahlien, Orchideen, Tulpen, Schmetterlinge. Und natürlich der Bäume des Arboretum. Dazu Nina Busse, die für Stauden und den Insektengarten zuständig ist. Alle sind sie gestandene Leute, die sich auskennen in ihren Bereichen und mit großem Engagement bei der Arbeit sind. Richtig begeisternd war, mit welcher Lust sie erzählten und auch selbst überlegten, welche Töne und Geräusche denn für ein Radiostück („Zwischen Hamburg & Haiti“) noch in Frage kämen.

4/13 – 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi im Oktober. Ich war schon mal vorab in der Emilia Romagna, habe mir Geburtshaus, Nationales Verdi-Museum und sein Landgut Sant`Agata angesehen. Er gilt immer noch als ein Held der Einigung Italiens und „hat mit seiner Musik mehr dafür getan als Garibaldi mit seinen Schlachten“, sagte Herr Napolitano, einer der „apassionati“, der leidenschaftlichen Verehrer. Der Wirt der „Bottega Storica e Verdiana Barreta“ in Busseto hatte einen anderen Schwerpunkt: „Erstens lieben wir ihn wegen seiner Musik“, sagte er. „Nicht weniger aber, weil er uns